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Chlamydien-Infektionen

Chlamydien-Infektionen

Chlamydien-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen. Oft verlaufen diese Geschlechtskrankheiten harmlos. Das ist aber nicht immer der Fall....

by Kaz Liste C

Chlamydien-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen. Oft verlaufen diese Geschlechtskrankheiten harmlos. Das ist aber nicht immer der Fall. Eine unerkannte Infektion mit Chlamydien birgt die Gefahr, unfruchtbar zu werden. Lesen Sie alles Wichtige über Symptome, Behandlung und Vorbeugung von Chlamydien-Infektionen.

Synonyme

Chlamydia trachomatis, Trachom

Definition

Die Chlamydien-Infektion ist eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit, die durch das Bakterium Chlamydia trachomatis hervorgerufen wird. Der Erreger wird vor allem beim ungeschützten Sex an die Partnerin oder den Partner weitergegeben.

Was sind Chlamydien?

Chlamydien sind Bakterien, die sich als Parasiten in einer Wirtszelle vermehren. Es gibt verschiedene Typen, die unterschiedliche Symptome hervorrufen können. In Deutschland kommt es am häufigsten zu Infektionen mit Chlamydia trachomatis. Diese Bakterien verursachen Entzündungen im Bereich der Geschlechtsorgane und Harnwegsorgane.

Bei klassischen Infektionen mit Chlamydia trachomatis treten oft keine oder nur sehr leichte Symptome auf. Deshalb wird die Krankheit nicht selten unbemerkt weitergegeben. Typische Symptome sind Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss aus Scheide oder Penis oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Chlamydien-Infektionen lassen sich gut mit Antibiotika behandeln. Unbehandelt besteht allerdings ein erhöhtes Risiko für Unfruchtbarkeit. Safer Sex mit Kondomen beispielsweise bietet sicheren Schutz vor einer Ansteckung.

Chlamydien-Infektionen bei Neugeborenen

Auch Neugeborene können sich mit Chlamydien anstecken, wenn die Bakterien bei der Geburt von der Mutter an das Baby weitergegeben werden. Typischerweise entwickeln die Neugeborenen 5 bis 14 Tagen nach der Geburt eine Bindehautentzündung.

Lymphogranuloma venereum und Trachom

In tropischen Ländern treten andere Typen von Chlamydia trachomatis auf. Sie verursachen Schwellungen im Genitalbereich (Lymphogranuloma venereum) oder eine Form der Augenentzündung, das Trachom, das zur Erblindung führen kann.

Häufigkeit

Chlamydien-Infektionen sind die häufigste sexuell übertragene Krankheit weltweit. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2016 erkranken jährlich 128 Millionen Menschen. Am häufigsten betroffen sind Mädchen und junge Frauen.

In Deutschland müssen Infektionen mit dem Erreger Chlamydia trachomatis nur im Bundesland Sachsen gemeldet werden. Daher gibt es keine genauen Angaben zur Häufigkeit. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erkranken in Deutschland jährlich 300.000 Männer und Frauen an einer Chlamydien-Infektion. Expertinnen und Experten schätzen, dass Tausende Frauen aufgrund einer Chlamydien-Infektion unfruchtbar sind.

Die meisten Fälle finden sich bei sexuell aktiven jungen Frauen. Mit steigendem Alter, wenn zunehmend mehr Frauen in einer festen Beziehung leben, geht die Zahl der Infektionen zurück.

Symptome

Bei 80 Prozent der mit Chlamydien infizierten Frauen und bei 50 Prozent der infizierten Männer treten keine Symptome auf. Obwohl sie symptomfrei sind, können sie ihre Partnerinnen und Partner infizieren.

Chlamydien-Infektionen werden durch verschiedene Chlamydien-Typen verursacht, die jeweils charakteristische Symptome verursachen. Begleitet werden können die Symptome durch grippale Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Müdigkeit und Schwäche. Bei den meisten Infizierten sind Harn- und Geschlechtsorgane betroffen (urogenitale Infektion). Es können aber auch Augen oder Lunge entzündet sein.

Was sind die ersten Anzeichen einer Chlamydien-Infektion?

Nach einer Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome) von ein bis drei Wochen nach der Infektion mit Chlamydien können die ersten Symptome auftreten. Dies sind meist:

Brennen und Jucken an Scheide, Penis oder PoAusfluss aus Scheide, Penis und Po oder ZwischenblutungenSchmerzen beim Geschlechtsverkehr

Chlamydien-Symptome bei Frauen

Infizieren sich Frauen mit Chlamydien, kommt es häufig zu Gebärmutterhalsentzündungen (Zervizitis) und/oder Harnröhrenentzündungen (Urethritis). Ein erstes Anzeichen beider Infektionen ist oft ein schleimig-eitriger Scheidenausfluss, der häufig stark riecht. Entzündungen der Harnröhre verursachen darüber hinaus starken und häufigen Harndrang sowie mitunter Schmerzen beim Entleeren der Blase und blutigen Urin.

Wenn die Folgeinfektionen nicht behandelt werden, wandern die Bakterien mitunter in die Eileiter und Eierstöcke. Eileiter- oder Eierstockentzündungen machen sich in der Regel mit Unterbauchschmerzen, Ausfluss und Blutungen (beispielsweise nach dem Geschlechtsverkehr) bemerkbar. Es ist aber auch möglich, dass diese Entzündungen ohne Symptome verlaufen.

Bei schweren Fällen entwickeln sich dauerhafte (chronische) Schmerzen und das Risiko für Probleme bei einer Schwangerschaft steigt.

Chlamydien-Symptome bei Männern

Chlamydien-Infektionen verursachen bei Männern meistens eine Harnröhrenentzündung (Urethritis). Typische Chlamydien-Symptome bei Männern sind daher starkes Brennen und Druckgefühl beim Urinieren. Manche Männer beobachten einen eitrigen Ausfluss aus der Harnröhre. Auch kann der Urin sich blutig verfärben.

Wie bei mit Chlamydia trachomatis infizierten Frauen kann sich die Infektion ausweiten. Mögliche Komplikationen bei Männern sind Prostataentzündung, Hodenentzündung und Nebenhodenentzündung. Eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) kann schmerzhaft sein und Unfruchtbarkeit als Spätfolge haben.

Chlamydien-Symptome bei Mann und Frau

Abhängig von den Sexualpraktiken treten Symptome einer Chlamydien-Infektion nicht ausschließlich im Genitalbereich auf. Durch Anal- und Oralverkehr können Chlamydien ebenso in den Enddarm, den Rachen oder die Augen gelangen. Mögliche Folgen sind Mastdarmentzündungen, Rachenentzündungen oder Bindehautentzündungen.

Chlamydien-Symptome bei Schwangeren

Chlamydia trachomatis löst bei infizierten schwangeren Frauen meist die gleichen Symptome aus wie bei Nicht-Schwangeren. Entzündungen von Gebärmutterhals und/oder Gebärmutterschleimhaut wirken sich aber mitunter auf den Verlauf der Schwangerschaft aus: Sie können Frühgeburten auslösen oder zu einem vorzeitigen Blasensprung führen.

Weitere Erkrankungen durch Chlamydien-Infektionen

Das Bakterium Chlamydia trachomatis kommt in einer ganzen Reihe von Typen vor. Bestimmte Typen verursachen zwei Erkrankungen: das Lymphogranuloma venereum und das Trachom.

Lymphogranuloma venereum (LGV)

Das Lymphogranuloma venereum kommt verstärkt in Asien, Afrika, Südamerika und Teilen der USA vor. In Europa tritt LGV fast ausschließlich bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten und HIV-Infektion auf.

Beim LGV lösen einige Typen der Chlamydia trachomatis Bakterien Hautgeschwüre an den infizierten Körperregionen aus. Nach 10 bis 30 Tagen schwellen die Lymphknoten der betroffenen Region an. Durch die Entzündung der Lymphknoten kann die Lymphflüssigkeit nicht mehr wie gewohnt abfließen und sie staut sich. Sind die Geschlechtsorgane von dem LGV betroffen, kommt es durch die Stauung zu einer extremen Vergrößerung (Elephantiasis). Äußerlich erkennbar sind die Folgen des Lymphstaus an einer blau-roten Verfärbung der Haut. Zudem verursachen die Schwellungen oft starke Schmerzen.

Infektionen durch Analverkehr verursachen vor allem Mastdarmentzündungen. Typische Symptome sind schleimig-blutige Ausflüsse, Krämpfe beim Gang auf die Toilette und Fieber. Werden solche Entzündungen nicht behandelt, können Abszesse und Fisteln im Mastdarm entstehen.

Trachom durch Chlamydien-Infektion

Das Trachom ist eine Entzündung des Auges durch bestimmte Chlamydien-Typen. Trachome sind die zweithäufigste Ursache für Erblindungen. Das Trachom kommt fast nur in tropischen Ländern vor. Meist stecken sich bereits Kinder mit den Keimen an – und infizieren sich wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse immer wieder. Dadurch vernarbt die Hornhaut des Auges. Je vernarbter die Hornhaut, desto schlechter wird die Sehleistung. Unbehandelt erblinden die Erkrankten schließlich. Das Erblinden ließe sich durch die rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika vermeiden. In fortgeschrittenen Stadien des Trachoms kann eine Hornhauttransplantation das Augenlicht unter Umständen noch retten.

Ursachen

Chlamydien-Infektionen werden durch das Bakterium Chlamydia trachomatis hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt in westlichen Ländern meist durch sexuellen Kontakt. Außerdem können bei der Geburt Chlamydien von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden.

Wo kommen Chlamydien her?

Chlamydien befinden sich auf den Schleimhäuten von Scheide, Penis und Po. Die Bakterien werden bei Kontakt mit infizierter Schleimhaut übertragen. Auch über Vaginalsekret, Sperma und Urin können die Chlamydien weitergegeben werden. Übertragen werden die Bakterien also vor allem bei ungeschütztem Vaginal-, Anal- oder Oralsex.

Chlamydien, die das Trachom auslösen, werden über infektiöse Augenflüssigkeit weitergegeben. Schlechte hygienische Verhältnisse wie ungewaschene Hände oder Handtücher begünstigen die Übertragung der ansteckenden Bakterien.

Untersuchung

Die Diagnose einer Chlamydien-Infektion erfolgt in der Regel durch einen Abstrich oder einen Urintest. Mittlerweile gibt es auch Chlamydien-Tests für die Selbstanwendung. Diese Tests sind allerdings meist nicht so zuverlässig wie der Test beim Arzt. Fällt ein Selbsttest positiv aus, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Wo wird ein Chlamydien-Test gemacht?

Frauen wenden sich für den Chlamydien-Test in der Regel an ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen. Für Männer sind Urologen die Facharztgruppe der Wahl. Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten aufzusuchen.

Behandlung

Chlamydien-Infektionen lassen sich in der Regel sehr gut mit Antibiotika behandeln. Dabei werden in der Regel Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Tetracycline oder Makrolide wie Doxycyclin, Erythromycin und Azithromycin eingesetzt.

Wie lange das Antibiotikum genommen werden muss, ist individuell unterschiedlich. Von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg ist, sich an die verordnete Einnahmedauer zu halten, damit das Bakterium vollständig bekämpft werden kann. Auch wenn nach einigen Tagen Behandlung keine Symptome mehr zu spüren sind, können die Bakterien trotzdem noch weitergegeben werden – oder sich erneut vermehren.

Während der Behandlung sollte auf sexuelle Kontakte verzichtet werden, um die Infektion nicht weiterzugeben. Zudem sollten nach Möglichkeit alle Partnerinnen und Partner behandelt werden.

Prognose

Früherkennung

Häufig bleiben Infektionen mit Chlamydien unbemerkt. Gerade bei Frauen können sie allerdings Unfruchtbarkeit als Spätfolge haben. Daher gibt es das sogenannte Chlamydien-Screening: Sexuell aktive junge Frauen bis einschließlich 24 Jahren können einmal im Jahr einen kostenlosen Urintest auf Chlamydien in Anspruch nehmen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Wann sollte auf Chlamydien getestet werden?

Neben dem Screening auf Chlamydien bei sexuell aktiven jungen Frauen, sollte auf Chlamydien getestet werden, sobald typische Symptome auftreten. Wird eine Infektion festgestellt, sollten alle Sexualpartner der letzten 60 Tage getestet werden.

Vorbeugung

Vorbeugen mit Kondomen

Kondome können vor einer sexuell übertragbaren Chlamydien-Infektion schützen. Safer Sex verringert die Gefahr einer Infektion deutlich, dennoch bietet er keinen 100-prozentigen Schutz.

Bei häufig wechselnden Sexualpartnerinnen oder -partnern kann es daher sinnvoll sein, regelmäßig Chlamydien-Tests zu machen. So können Infektionen frühzeitig erkannt und Ansteckungen verhindert werden.

Quellen

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