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Panikattacken

Panikstörungen, auch Paniksyndrom genannt, gehören zu den Angststörungen. Lesen Sie, wie Panikattacken entstehen – und was Sie dagegen tun können....

by Kaz Liste

Panikstörungen, auch Paniksyndrom genannt, gehören zu den Angststörungen. Lesen Sie, wie Panikattacken entstehen – und was Sie dagegen tun können.

Synonyme

Paniksyndrom, Panikattacken, episodisch paroxysmale Angst

Definition

Was sind Panikattacken?

Panikattacken sind eine häufige Form der Angststörung. Im Gegensatz zu den Phobien oder der generalisierten Angststörung verlaufen Panikstörungen in Schüben. Treten Panikattacken immer wieder auf, spricht man von einer Panikstörung. Charakteristisch für Panikattacken sind überaus heftigen Angstschübe. Sie beginnen nahezu immer abrupt, ohne eine reale Bedrohung für den Betroffenen. Die Angst verstärkt sich in der Regel sehr schnell und hält auf dem Höhepunkt der Intensität für einige Minuten an. Danach ebbt die Angstwelle von selbst ab, weil der Körper die zugrunde liegende Angstreaktion nicht über längere Zeit aufrechterhalten kann.

Häufigkeit

Große psychotherapeutische und medizinische Berufsverbände und Fachgesellschaften (siehe Quellen) geben die Häufigkeit von Panikstörungen mit 2 bis 3 Prozent aller Deutschen an. Demnach erkranken Frauen doppelt so oft wie Männer. Die meisten Menschen mit Panikstörung sind zum Zeitpunkt des ersten Auftretens zwischen 20 und 30 Jahren alt. Nach dem 45. Lebensjahr nimmt die Wahrscheinlichkeit von Panikattacken deutlich ab.

Symptome

Die Symptome von Panikattacken sind fast immer sehr stark ausgeprägt. Die Zeit bis zum Nachlassen der Angst erleben Menschen mit Panikstörungen oft als Hölle. Sehr häufig wähnen sie sich in Lebensgefahr. Typischerweise gehen Panikattacken mit Atemnot, Herzrasen, Brustenge, Zittern, Schwindel und Schweißausbrüchen einher.

Panikattacken führen mitunter zu heftigen selbstgefährdenden Reaktionen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Menschen während eines Angstschubs im Straßenverkehr kopflos vor der empfundenen Gefahr flüchten oder auf einer Leiter oder einem Berghang den Halt verlieren und stürzen.

Panikstörungen schränken die Lebensqualität oft sehr stark ein. Weil sie so intensiv und bedrohlich erlebt werden, entwickeln viele Betroffene eine ausgeprägte Angst vor der nächsten Panikattacke. Das kann so weit gehen, dass sie alleine nicht mehr die Wohnung verlassen und Menschenansammlungen komplett meiden. Dann hat sich zusätzlich zur Panikstörung eine Agoraphobie entwickelt.

Lesen Sie mehr über die Symptome weiterer Angsterkrankungen:

AngststörungenAngststörungen bei KindernKrankhafte Angst

Ursachen

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für die Entstehung einer Panikstörung.

So können Lernprozesse eine Rolle spielen (siehe Quellen): Betroffene erleben beispielsweise Stress durch negative Erlebnisse, die eine erste Panikattacke ausgelöst haben. Die Empfindungen dieser ersten Panikattacke - wie der bei Stress erhöhte Herzschlag beispielsweise - werden unbewusst als ursächlich für das Auftreten der Attacke wahrgenommen. So bildet sich eine erlernte Assoziation. Das ist die Grundlage dafür, dass erhöhter Herzschlag (aus welchen Gründen auch immer er resultieren mag) zum Auslöser einer neuen Panikattacke werden kann - – allein durch die Bewertung, die erlernte Assoziation. Da Panikattacken oft als lebensbedrohlich wahrgenommen werden, gräbt sich diese Assoziation immer tiefer ein. Am Ende dieses Prozesses kann die große Angst vor einer Attacke zu genau dieser Panikattacke führen.

Neurologen haben ein weiteres Erklärungsmodell. Demnach sind neurophysiologische Veränderungen in der Signalübertragung der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin dafür verantwortlich, dass manche Menschen Ängste anders wahrnehmen und für Panikattacken anfälliger sind.

Zudem kann das verstärkte Auftreten von Panikstörungen psychologischen Studie zufolge mit in der Kindheit erlebten Trennungsängsten in Verbindung gebracht werden (siehe Quellen). Ausführliche Informationen finden Sie im Beitrag Angststörungen bei Kindern.

Wie äußert sich eine Panikattacke?

Panikattacken äußern sich in einem sich selbst verstärkenden Kreislauf (siehe Quellen). Beispielsweise wird ein veränderter Herzschlag wahrgenommen und als Gefahr bewertet. Das löst Angst aus, die aufgrund der normalen körperlichen Angstreaktion mit einem noch schnelleren Herzschlag einhergeht. Hier beginnt der Kreis von vorne.

Diese angstauslösenden oder angstverstärkenden Gedanken können je nach körperlicher Empfindung unterschiedlich sein. Herzrasen oder -stolpern wird oft mit „Ich bekomme einen Herzinfarkt, ich muss sterben" fehlinterpretiert. Schwindel und Schwäche können Gedanken wie „Ich falle in Ohnmacht, ich habe einen Hirntumor" auslösen. Bei Atemnot entstehen Gedanken wie „Ich ersticke." Wenn Menschen mit Panikstörungen das Gefühl haben, neben sich zu stehen (Fachbegriff: Derealisation oder Depersonalisation) folgen Fehlinterpretation wie „Ich werde verrückt, ich verliere die Kontrolle".

Behandlung

Panikattacken loswerden

Menschen mit Panikstörungen glauben zu Beginn der Therapie nur selten daran: Panikstörungen sind – wie andere Angststörungen - in den meisten Fällen sehr gut zu behandeln.

Expositionstraining gegen Panikattacken

Als Therapie hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Wesentlicher Kern dieser Methode ist ein begleitetes Expositionstraining. Dabei setzen sich die Betroffenen immer stärker werdenden Angstreizen aus (Exposition). Hier stehen von Fall zu Fall verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Herzklopfen kann durch körperliche Aktivität herbeigeführt werden.Hyperventilation, also schnelle, tiefe Atmung, kann ein Gefühl von Benommenheit bewirken.Schwindel kann durch schnelles Drehen des Kopfes entstehen.

Ziel solcher Übungen: Klientinnen und Klienten erleben in einer kontrollierten Situation die Reize, die für gewöhnlich Panikattacken ausgelöst haben. Nun machen sie Erfahrung, dass zum einen keine reale Gefahr besteht. Außerdem erleben sie, dass die Angstreaktion nach wenigen Minuten von selbst abebbt, weil der Körper diese extreme Stressreaktion nicht lange aufrechterhalten kann.

Prognose

Die Lernerfolge aus einer kognitiven Verhaltenstherapie mit begleitetem Expositionstraining führen oft dazu, dass Panikattacken ganz oder nahezu vollständig ausbleiben und Betroffene einen normalen Alltag erleben.

Sonstige

Erste Hilfe

Was tun bei Panikattacken?

Panikattacken an sich stellen keine Gefahr für das körperliche Wohlergehen dar. Es sind viel eher die unmittelbaren Reaktionen auf Panikattacken, die eine Gefahr darstellen können. Menschen mit Panikattacken sollten sich deswegen – falls möglich – an einen sicheren Ort begeben.

Zudem gilt grundsätzlich: Das Erregungsniveau muss heruntergefahren werden. Bei einer akuten Panikattacke ist das viel leichter gesagt als getan. Eine gute Möglichkeit stellt die Beeinflussung der Atmung dar. Ein ruhiger Atemzug alle fünf Sekunden hilft, das Erregungsniveau zu senken und den Herzschlag zu verlangsamen.

Quellen

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